
„Geboren am 5. März 1895 in Brachwitz bei Halle an der Saale, Jugendjahre abwechselnd in Berlin und Essen, dazwischen viele Reisen.“
Es fühlt sich beinahe wie ein literarisches, zitierendes, überaus vielgestaltiges und vielschichtiges Heimatspiel an, das Stück über Franz Richard Behrens, welchem ich sehnsüchtig entgegengeblickt habe. Was gab es damit für einen besseren Ort an diesem Abend als das Theaterquartier?
Ein paar Minuten, ein paar liebliche Katzenohren, sich um die Gäste schleichender Glühweinduft und beim Betreten des Saals wirkt die Plätze einladend, das Bühnenbild vertraut und gleichzeitig ganz anders. Spannung und Vorfreude, Neugierde und freudige Erwartungen liegen in der Luft, schleichen sich zwischen den Besucherinnen und Besuchern hin und her. Erste Blicke, erste Hände die Klatschen wollen, als das Stück beginnt.
Es beginnt wortgewandt und wortgewaltig. Aufmerksames lauschen, erkennen und fragen im Stillen, während die Worte und ihre Tragweiten das Publikum erreichen.
„Da ich für den Geist und gegen alles bürgerliche im Menschen bin, werden meine Leser nicht mehr von mir wissen wollen.“
Das Publikum ist neugierig und erwartungsvoll. So fühlt es sich
jedenfalls an. Hat es eine Zeit der Verschwiegenheit bei
Behrens gegeben, so trifft nun Neugierde auf wissbegierige
Ohren und Augen, die sich der Ästhetik des Spiels auf der Bühne
nicht entziehen können.
Faszination zieht Minute für Minute durch den Saal und
umschmiegt das Publikum wie die Nebelwolken das Bühnenbild.



Worte und keine Worte. Wo sich grundlegend Lücken aneinanderreihen, so findet sich hier ein umfangreiches und beeindruckendes Stück über die Person, die dem ganzen zugrunde liegt. Es ist überraschend, lässt staunen und schmunzeln. Genauso vielfältig und verwoben wie die Worte gestaltet sich die Musik. Kontraste entzünden sich unter dem Einsatz der verschiedenen Instrumente, werfen variable Soundwelten auf und mischen sich mit zwei außergewöhnlichen Stimmen zusammen. Es wirkt ganz besonders, das Zusammenspiel von Mensch, Musik und Sprache, von Wort und Bild und Nebel.
„Der Mensch kann sich selbst nicht begreifen. Er kann nur Wege suchen sein Innerliches so stark wie möglich zu machen."
Es ist spürbar: Die Gäste möchten erleben, möchten begreifen und möchte sich auf das eindrucksvolle Geschehen auf der Bühne einlassen. Vor ihnen breitet sich Szene für Szene eine tiefgründige, beeindruckend durchdachte Collage aus. Geprägt von den Besonderheiten und Eigenheiten der Behrens'schen Texte, setzt das Bühnengeschehen diesem noch mehr drauf: Das Spiel mit Instrumenten, Licht und Nebel und anfangs einfach wirkenden Requisiten steigern sich zu einer Fülle von Eindrucken und Ausdrücken, welche das Stück zu etwas Besonderem macht.
Eintauchen und ankratzen, so ist es doch teilweise in der Gänze gar nicht so rasch zu erfassen, auch wenn sich die Welten, die die Texte eröffnen, über die Mauern des Schauspielortes hinausschlagen. Es lässt erstaunen und nachhallen. Ein Art-illerist im Sinne der schauspielerischen und musikalischen Geschütze. Es ist Kunst in jeder Faser des Spiels.

So vielfältig wie die Inhalte und Worte sind damit auch die aufgeworfenen Thematiken: Wir sind mal im Krieg, mal in Berlin und irgendwo darüber hinaus. Bei Granaten und grundlegenden Erinnerungen. Mal bei Mücken und Margeriten. Kritik am Farbfilm, an den Dimensionen und davon gibt es im Stück unendlich viele, wenn man hinsieht und wenn man genauer hinsieht doppelt mehr.
Hamlet'sche Bilder und das ganz neu und ganz anders, aber immer stilvoll und stilecht. Zwischen Kunstwerken und Entrüstung bahnt sich das Ende des Stückes an. Punkte, Spitzen und Kontraste lassen die Zeit wie im Fluge verstreichen. Verlorene Spuren neigen sich dem Ende zu, ist das Stück doch geprägt von Behrens Handabdrücken und gleichzeitig einer neuen Handschrift, welche durch das Gesamtkonzept entsteht.
„Die Kunst ist das einzig Ewige in diesem Weltall der Sinnlosigkeit."